13.11.2008

My three point plan for the G20

By: Wolfgang Münchau

In my FT Deutschland column on Wednesday, I proposed the following action plan, focusing on macroeconomic adjustment. I argued that the adoption of common global accounting standards, as adopted as a proposal by the EU summit, may be desirable, but should not be a priority at this point.


Instead, the priorities should be a globally co-ordinated stimulus, with Germany enacting a €100bn temporary tax cut for 2009 (about 4% of GDP), and a US investment-led stimulus. The second is a pooling and reduction of euro area seats in the IMF, and an increase in the share of China and other emerging nations. And finally, we should think about exchange rate management, not a new Bretton Woods, but a system of regional currency blocks plus active exchange rate management.

Here is the full column, in German:

 

Am Wochenende trifft sich erneut eine G-Formation, diesmal die G20, die Gruppe der zwanzig wichtigsten Industriestaaten. Selten waren die Erwartungen so hoch und die Teams so unvorbereitet. Die Welt will ein neues Bretton-Woods-System, um die Weltwirtschaft kurzfristig zu stabilisieren und langfristig zu ordnen. Es sieht so aus, als würde diese Hoffnung enttäuscht.

Ich habe das Gefühl, dass man insbesondere in Berlin diese Krise in ihrem Wesen nicht verstanden hat. Wenn unser Finanzminister immer auf den Ratingagenturen herumpocht, ist das ungefähr so wie der Versuch, auf der "Titanic" die Liegestühle neu zu arrangieren. Deren Regulierung war dann auch der erste von fünf Punkten, auf die sich die europäischen Regierungschefs vergangene Woche in Brüssel geeinigt haben. Dabei haben die Agenturen in dieser Krise zwar eine unrühmliche Rolle gespielt, sie haben sie aber nicht verursacht.

Punkt zwei der Liste - die Konvergenz internationaler Bilanzierungsregeln - ist ähnlich absurd. Zwar wäre das wünschenswert. Nur hat es mit der Krise nichts zu tun. Lediglich Punkt fünf - die Versorgung des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit den entsprechenden Mitteln - ist ein konstruktiver Beitrag, wenn auch einer, der mittlerweile unumstritten ist.

Was im europäischen Vorschlag fehlt, sind die drei Punkte, die für die Bewältigung der Finanzkrise die wichtigsten sind: ein global koordiniertes Konjunkturpaket für die Weltwirtschaft, konkrete Vorschläge zu Reformen der internationalen Wirtschaftsinstitutionen und eine Neuordnung globaler makroökonomischer Beziehungen

Nationale Konjunkturpakete sind weitgehend sinnlos. Es bringt die Weltwirtschaft nicht weiter, wenn Deutschland die Lohnnebenkosten senkt, was lediglich zu einem globalen Kostensenkungswettbewerb führen wird. Für das Euro-Gebiet insgesamt ist der Effekt neutral (Deutschland gewinnt, Italien verliert). Andere Länder außerhalb des Euro-Raums würden auf diese Schritte mit der Abwertung ihrer Währungen reagieren.

Was also tun? Für eine optimale Wirkung auf die globale Wirtschaft wäre eine Koordination nationaler Programme optimal. Die USA sind mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem Steuerkürzungen kaum noch Effekt haben. Die Kombination einer geringen Sparquote und steigender Arbeitslosigkeit bedeutet, dass der Privatsektor lediglich seine Bilanzen auf Kosten des Staates saniert. Der neue Präsident Barack Obama hat recht, wenn er sagt, dass die Amerikaner in den öffentlichen Sektor investieren müssen. Für Deutschland wäre eine kurzfristige Steuersenkung von ungefähr 100 Mrd. Euro angebracht. Das entspricht ungefähr vier Prozent vom jährlichen Bruttoinlandsprodukt. Auch in einem Land mit hoher Sparquote und Außenhandelsüberschüssen wären Steuersenkungen sehr effektiv. Das von der Bundesregierung beschlossene Paket ist mit 5 Mrd. Euro viel zu klein und falsch konzipiert.

Was die Reform der internationalen Wirtschaftsarchitektur angeht, läuft ohne die Europäer nichts, denn wir haben den Schlüssel zu einer Lösung in der Hand. Wenn wir uns auf eine gemeinsame Euro-Raum-Repräsentanz etwa im IWF einigen könnten, ergäben sich Spielräume für eine Erhöhung der Quoten für China, Indien, Russland und Brasilien. Es liegt an der Borniertheit deutscher und französischer Politiker, denen es hauptsächlich um die Bewahrung nationalen Einflusses geht, dass wir hier nicht vorankommen. Zu diesem Thema schweigen die europäischen Staats- und Regierungschefs.

Der dritte Punkt ist langfristig der wichtigste. Die Weltwirtschaft leidet unter massiven globalen Ungleichgewichten, deren Ursache in einer Kombination verschiedener Faktoren liegt: Chinas unterbewerteter Wechselkurs, mit dem das Land eine merkantilistische Wirtschaftspolitik betreibt; die zu starre Kopplung einiger Währungen an den Dollar; die sehr hohen Leistungsbilanzdefizite der USA; zu geringe US-Realzinsen. Die Kombination aus freiem Waren- und Kapitalverkehr hat zu extremen und schädlichen Wechselkursschwankungen geführt, etwa zwischen Euro und Dollar und zwischen Yen und Dollar.

Man kann diese Ungleichgewichte auf mehrere Arten lösen. Die denkbar schlechteste Variante wären Handelsbeschränkungen oder eine Blockade des freien Kapitalverkehrs. Besser wäre eine geeignete Form der Wechselkurspolitik. Wir reden hier allerdings nicht von Systemen fester Wechelskurse wie im ursprünglichen Bretton-Woods-Verbund, sondern von einem System, in dem man auf extreme Ungleichgewichte und spekulative Attacken mit Wechselkursanpassungen reagiert. In einem solchen System wären die wichtigen Akteure die USA, der Euro-Raum, die Gruppe der vier großen asiatischen Staaten - China, Japan, Indien und Korea -, Russland, Brasilien und der Mittlere Osten. Diese Gruppe würde eine strategische Wechselkurspolitik verfolgen ähnlich wie die G7 während der 80er-Jahre, als man extreme Schwankungen des Dollar mit Erfolg korrigierte. Kleine Länder wie Island, Dänemark und wahrscheinlich auch Großbritannien sähen sich dann genötigt, sich einer dieser Gruppen anzuschließen - in diesem Fall dem Euro-Gebiet. Das Zeitalter, in dem diese Winzlinge ihre nationalen Währungen pflegen, geht dem Ende entgegen. Der Euro wird in diesem Prozess an internationaler Bedeutung gewinnen.

Mit meinem Drei-Punkte-Plan kämen wir einer Lösung dieser Krise ein gutes Stück näher als mit Europas Fünf-Punkte-Plan. Die Finanzkrise ist kein Betriebsunfall, verursacht durch menschliches Versagen, sondern eine systemische Krise der globalen Weltwirtschaft. Mit schärferer Regulierung und Racheakten an einzelnen Akteuren wie den Ratingagenturen lösen wir das Problem nicht. Der Versuch, es trotzdem zu tun - worauf der europäische Fünf-Punkte-Plan abzielt -, gehört zu den großen Fehlern der modernen Wirtschaftspolitik, der uns noch sehr teuer zu stehen kommen wird.

 


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